Wort zum Sonntag

Wahrheit und Welt

Dicktopoden weltweit ejakulieren

wild und unreflektiert ihren Bullshit

in die

 

Gesichter unschuldiger Menschen

Untergangsfantasien nähren sich und dennoch

muss ich weiterhin freudig erregt warten, bis

die Welt wirklich brennt

 

Apokalypse now, I’m in!

Verpisst euch mit eurer Kacktoleranz, ihr Arschkrampen

„Ja, gerne darfst du, lieb‘ Muslim,
mit deinem Glauben deiner Wege ziehn.“

Toleranz geht mir unheimlich auf den Sack.
Damit meine ich nicht das Hinnehmen oder, was wünschenswerter 
wäre, das Willkommenheißen individueller Diversität.
Vielmehr meine ich das, was aus meiner Sicht dem Konzept 
der Toleranz zugrunde liegt, nämlich das der Fremdheit.
Erst werden Menschen anhand fragwürdiger Kategorien in 
Gruppen eingeteilt, um diese dann von sich und den 
seinen abzugrenzen. Und diesen, die nicht sind, wie man
selbst, den Fremden, gestattet man dann mittels 
Toleranz ein Existenzrecht zu. 
Man erlaubt ihnen zu sein. Wie sie sind.
Da frag' ich mich jedes Mal:
Ihr Pisser, was bildet euch ein?
Warum glaubt ihr, anderen das Sein erlauben zu dürfen, 
ja überhaupt zu können?
Ach, wäre es nicht schön, wenn wir uns in dieser Welt 
nicht mehr fremd wären. Wenn wir endlich voll und 
ganz erkennen, dass wir lediglich individuell 
divers sind und daraus alles Positive ziehen,
was diese Erkenntnis zu bieten hat.

Lichtblicke

Kotze (kalt) am Morgen
in meinem Mund lebt ein
pulsierendes pelziges Etwas
der Magen ist noch nicht leer

doch wieder warm
Erst mal zum Fenster

Entscheidung: Ist die Welt ekelhaft oder bin ich das?

Wünschte, ich würde ein kleines Hündchen
beobachten können, wie es in Hundescheiße tritt.
Würd‘ mir zwar existenziell nicht weiter helfen, wäre
aber lustig. Irgendwie.

Hab mir kürzlich mal überlegt, ob der Sinn des Lebens nur
eine Illusion in Gestalt eines Aphorismus ist.
Werde wohl die nächsten dreißig Jahre damit zubringen,
zu überlegen, was ich damit gemeint haben könnte.

Warum Schwanzlutschen das Gleiche ist wie das Lecken einer Muschi

Knallen in der Nacht. Was kann ich für die Traumata anderer.
Bedeutung ist ja eh Konstruktion. Sollen sich die Ficker doch ihre Scheißprobleme wegkonstruieren. Oder sind die doch systembedingt? Oder hab‘ ich Anteil daran? Wie? Was? Ich bin verwirrt.
Beim Nachbarn klingelt die Polizei. Dem Wachtmeister erst einmal schön aus dem zweiten Stock aufs Haupt gekotzt. Oder doch nicht? „Nobody knows the trouble i’ve seen“.

Rückblick: Frühling 2015. Kontext: Nicht vorhanden.
Bombenevakuierung. Also wir wurden evakuiert, nicht die Bombe. Wo kommen wir denn dahin! Zuerst gelacht, dann doch nix passiert. Monate später ziehen die Braunen vor der Haustür vorbei. Kurz die Bombe zurück gewünscht.

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein schrieb einst „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“. Interpretationsvorschlag: Weltanschauungen (ja, auch Logik) haben nur innerhalb ihrer gesetzten Grenzen Wirkung; außerhalb dieser sind sie bedeutungslos.

Vaginen und Penisse sind im Prinzip gleich aufgebaut. Lediglich die Optik und die Haptik ist unterschiedlich. Gut, das mag akzeptablerweise für viele entscheidend sein, rechtfertigt aber maximal die individuelle ästhetische Präferenz.

Differenz ist nur akzeptabel, solange sie auf, und nur darauf, das Individuum abzielt, also auf (wertende) Gruppeneinteilungen verzichtet.

Gelebte Demokratie/Der Täter-Memplex

Stille. Allein und nackt an die Schlachtbank gefesselt,
mit den eigenen Exkrementen beschmiert.
Dumpf, schleimig und schwarz durchzieht die Tat die Synapsen,
löscht das Ich, löscht die Welt, löscht alles aus.
Übrig bleibt nur die Tat.

 In unendlicher Zahl ziehen die Gesichtslosen
 vorbei, beobachten, wollen ergründen, verstehen.
 Die Haut sorgfältig abgezogen. Der Leib
 seziert, Stück für Stück auseinandergenommen.
 Die einzelnen Teile werden neu geordnet.
 So wird die Tat rekonstruiert, verständlich
 gemacht, ins rechte Licht gerückt.
 Zurück bleibt der Täter, das
 Ding, jeder menschlichen Form
 beraubt, nur noch geformte Tat.

Nekrokultur

Wie jeden Morgen reißt mich das unerbittliche Piepen meines Weckers aus dem Schlaf. Wie immer viel zu früh. Völlig übermüdet sondiere ich meine Umgebung. Sie erscheint mir, wie immer, fremd, irgendwie lebensfeindlich. Das Gefühl des Ekels überkommt mich jeden Tag aufs Neue. Das Zimmer, das Schlaf-, Arbeits- und Wohnraum in einem ist, nenne ich liebevoll meine kleine Todeszelle. Alles darin ist funktionalisiert, künstlich. In ein kulturelles System der Signifikation eingefasst. Alles wirkt so leblos. Teile der Wände sind von Fotos, Bildern, Postern und Eintrittskarten von besuchten Konzerten, Festivals und Sportevents verdeckt. Aber wozu? Soll dadurch meine Persönlichkeit ganz oder teilweise abgebildet werden? Als Abdruck visuell stets verfügbar sein? Aber wer sieht das schon? Meistens ja doch nur ich selbst. Soll ich vielleicht stets an etwas erinnert werden? Diese kulturelle Praxis der Raumgestaltung erscheint mir als verzweifelter Versuch, sich über signifizierte Objekte als funktionaler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens herauszustellen. Die eigene Persönlichkeit wird durch Verwendung kultureller Sinnkonstrukte geformt und in ein funktionales Verhältnis zur Welt gestellt. Das Ich wird geprägt durch die Umsetzung von Konzepten, die an Vorstellungen zur Einpassung des Subjekts in ein gesellschaftliches Leben gebunden sind. Diese Vorstellungen haben nur diesen einen Zweck, sind bloß funktional. Sie haben keine Referenz, keine Bedeutung, kein Leben. Dieser Prozess läuft unterschwellig ab. So entsteht er, der moderne Mensch. Der autoreferentielle Nekrophile.
Todeszelle hin zur Partizipation am System, sei es durch (Lohn-) Arbeit, kreatives Schaffen oder Unikram. Selbst rumgammeln ist schon durch das System bezeichnet. Es gibt kein Entkommen. Das Verlassen des Hauses fühlt sich eher so an, als ob mich das Haus ausspucken würde. Als wäre das Haus nur der überirdisch gelagerte Kopf von etwas, das mich wie so ekligen grünen Schleim durch die Nase in den Mund zieht, um mich dann kräftig in die Welt hinaus zu rotzen. Und da steh‘ ich dann und frage mich, was ich da soll. Dabei ist die Anforderung klar: ich soll etwas tun, mich irgendwie beteiligen. Denn darum geht es: im gesellschaftlichen System mitzuwirken. Egal, was man tut, man partizipiert. Darin liegt auch der Hauptzweck: im Teilhaben. Durch das Teilhaben an einem System wird es reproduziert. Der Clou am aktuellen kulturellen System ist, dass man immer irgendwie teilnimmt. Da kommt man nicht raus. Wie man partizipiert ist, systemisch betrachtet, irrelevant. Es geht nur darum, dass man teilnimmt. Egal, was man macht, vom Warenproduzenten über Zulieferer, Verkäufer, über Dienstleister im engeren und weiteren Sinne, bis hin zu Börsenspekulanten und Firmenchefs, selbst für Arbeitslose und sogenannte Aussteiger, für alle gilt, das es gesamtgesellschaftlich nur relevant ist, dass sie etwas tun, denn dadurch partizipieren sie. Somit reproduziert jeder Mensch jeden Tag das aktuelle System.
Kann man aus diesen Strukturen rauskommen? Ist der Ausstieg möglich? Die radikalste Form des individuellen Ausstiegs, die Beendigung des eigenen Lebens ist schon lange als Gefahr für das System eliminiert worden. Das menschliche Leben ist durch Gesundheitssysteme durchgeprägt worden. Alle möglichen Ereignisse sind abgedeckt, haben eine gesellschaftliche Bedeutung erhalten. Somit partizipiert sogar der Selbstmörder am System. Durch die Handlung werden die dementsprechenden gesellschaftlichen Werte und Konzepte reproduziert. Gibt es also überhaupt etwas, woraus man aussteigen kann? Die Kultur wird ständig reproduziert. Strukturell ändert sie sich nicht. Leblose, nur funktionale Konzepte werden ständig wiederholt, mit dem Zweck, sich selbst darzustellen, um dann wiederholt zu werden. Die Kultur ist leblos, sie bewegt sich nicht. Aus etwas Totem kann man nicht aussteigen. Einsteigen sollte man. Die Kultur nicht mehr nach dem ‚Dass‘, sondern nach dem ‚Was‘ und ‚Warum‘ ausrichten. Den gesellschaftlichen Vorstellungen wieder Referenz verleihen. Ihnen wieder Leben einhauchen. Erst dann können bestimmte Prozesse auch wirksam verändert werden. Denn was tot ist kann niemals sterben.

Nuttenliteratur

Ich laufe durch die
Straßen und alles, was ich sehe sind Nutten
die ihren alltäglichen Nuttentätigkeiten
nachgehen

ich sehe junge Nutten, alte Nutten,
Verkäufernutten, Anzugnutten, Werbenutten,
Schülernutten und Studentennutten

massenweise karren Tag für Tag Busfahrernutten ihre
Teilzeitstricher zu deren
Nuttenarbeitsplätzen oder deren Nuttenwohnungen
oder zu irgendwelchen Nuttengeschäften, wo diese dann
Nuttenwaren mit dem Nuttengeld aus ihren Nuttenjobs kaufen

manchmal frage ich mich, ob Prostituierte nicht
einfach nur konsequente Nutten sind, da sie sich nicht
nur metaphorisch für ihr Nuttengeld pöllern lassen.

In meiner eigenen Nuttenbutze sitze ich
und schreibe, ganz die bekackte
Literaturnutte, die ich bin, Texte für irgend einen
Nuttenliteraturbetrieb, in dem ich

diese dann vor irgend einem Nuttenpublikum
vortrage, welches sich die gefällige
Kacke von mir und anderen Literaturnutten anhört,
um so an einer Subkultur voller Nuttenliteratur
zu partizipieren.
Vielleicht ist es manchmal doch
angenehmer, sich einfach nur bumsen zu lassen.